We are Family… die German Open 2013

Nachdem wir (oder ich) am Bodensee mit unserem Blog so richtig für Ländermatch-Stimmung Deutschland-Österreich gesorgt haben, sind es heuer ganz andere Gefühle, die ich den Daheimgebliebenen vermitteln möchte.

Die diesjährigen German Open fanden am Werbellinsee im Bundesland Brandenburg statt. Der geübte Österreicher fragt sich jetzt: „Schön… Brandenburg find ich ja vielleicht noch auf der Landkarte, aber wer oder was ist dieser Werbellinsee?!“ Ganz einfach: ein wunderschönes Fleckchen Wasser – entstanden in der letzten Eiszeit – mit wunderbarem landschaftlichen Drumherum an seinen Ufern. Allerdings wars das dann auch schon. Wer hier gehobene Spitzenhotellerie à la „Traube“ in Fischbach vermutet, der wird enttäuscht sein. Wer sich aber auf die Gegebenheiten einlässt und mal mit schlechtem Handyempfang, ohne WLAN und mit Gemeinschaftsküche leben kann und vielleicht auch noch – so wie ich – ein kleines Faible für DDR-Romantik (natürlich nicht im politischen Sinn) mitbringt, der wird von Land und Leuten begeistert sein.

Schon am ersten Abend lernten wir die Gastfreundschaft des SC Stahl Finow kennen. Es war überhaupt kein Thema, dass wir mit dem Boot erst um halb 11 Uhr abends ankamen. Selbstverständlich wurden wir erwartet und sofort erklärte man uns die Gepflogenheiten und zeigte uns unser Quartier: die Bungalows der Kanuten. Kleine Kabanen mit 2 Stockbetten zu je 3 Schlafplätzen und ein kleines Wohnvorzimmer (Gott sei Dank hatten wir 2 Kabanen bestellt). Aber grundsätzlich natürlich sensationell!!! Danach einmal das erste Willkommensbier mit unseren Fischbachern und Daniel von Hirschis Crew samt Anhang. Danach ab ins Bett, denn Bernd, unser Mittelmann, wollte am nächsten Tag um 08:30 Uhr vom Flughafen in Berlin abgeholt werden, der feine Herr ;-).

Nach Bootsaufbau und einem gemütlichen Mittagsgrill gings für uns zum Zwecke des Trainings raus aufs Wasser. Fazit: Wunderbarer Wind mit Drehern von 30° und mehr, keine Welle und Böen, die ganz anders sind, als bei uns am Neusiedlersee. Soweit so lala… mal sehen wie’s morgen wird.

Am Abend dann die Eröffnung mit regionalen politischen, wie wirtschaftlichen Größen – kurz Sponsoren genannt – und viel Spaß bei Wein und Bier mit den Sekuras, Mädickes und Gregor Wydinski samt Freundin Bea, ein relativ neuer Einsteiger in unserer Klasse (aber natürlich mit besten seglerischen Zeugnissen), der Ali und mir (nach Kampfakquise) gleich mal für den Europa Cup 2014 in Neusiedl zusagte.

Der erste Regattatag. Endlich sollte es ernst werden. 34 der 35 genannten 20R bereiteten sich aufs Auslaufen vor. Pünktlich verließen wir den Hafen und um 12:00 Uhr erfolgte der Schuss zur ersten Wettfahrt bei deutlich leichterem Wind, als am Tag zuvor. Uns war das nur recht, konnten wir doch so unsere Waffe, die 0er-Genua gleich ziehen. Und so wie schon bei den beiden abgebrochenen Wettfahrten bei der IÖM funktionierte das sehr gut. Einmal sogar vor dem späteren Deutschen Meister, Doppelolympiasieger Thomas Flach und immer einen Platz hinter Andi (AUT 190) waren wir mit den Plätzen 10 und 11 fürs erste mal gar nicht so unzufrieden. Andi hatte sich natürlich weit mehr erwartet, gehörte er doch – nach seiner Leistung vom Bodensee im letzten Jahr – auch für so manche deutsche Crew zum Kreis der Favoriten. Und auch für unseren dritten Österreicher, Christian Müller-Uri (AUT 123) lief’s (noch) nicht ganz nach Wunsch. Tückisch ist er halt, der Wind am Werbellinsee!

Am zweiten Tag war erstmal Warten angesagt. Der Wind vom Vortag hatte sich endgültig verabschiedet und hinterließ eine bleierne Flaute über dem ganzen See. Erst gegen 11:00 Uhr erkannte Regattaleiter Christoph Laska, dass sich im zweiten Regattagebiet ganz im Osten und damit genau auf der anderen Seite etwas Wind aufbaute und traf die richtige Entscheidung, nämlich Auslaufen. Tatsächlich erwartete uns im hinteren Teil des Sees fast schon sowas wie konstanter Wind (in Stärke und Richtung) und wir konnten drei Wettfahrten segeln. Flade setzte auf seinen 12. und 1. vom Vortag gleich nochmal zwei 1. Plätze drauf und konnte sich dann auch einen 5. leisten. Wie schwierig die Verhältnisse trotzdem waren, zeigten der Zweit- und Drittplatzierte nach diesem Tag, Christian Friedrich und Jens Magdanz. Christian ersegelte einen 2., einen 15. und einen 1. Platz, Maggi wurde 6., 2. und 17. Andi war an diesem Tag der konstanteste. 5, 5, 4 katapultierten ihn vom 10. auf den 4. Gesamtrang und in Lauerstellung. Auch bei Christian M.-U. war an diesem Tag Schluss mit lustig und sein Vorschoter Franky in seinem Element. Der Linkswind, der von rechts kommt – wer erkennt den besser, als der Mann, von dem wir Neusiedlersee-Segler so viel lernen konnten (und noch immer lernen) was das Leben, Segeln und Sex angeht! Die Plätze 4, 7 und 10 waren das Resultat. Unsereiner segelte an diesem Tag wieder konstant um den 10. Leider, wie sich am Abend am Papier herausstellte, zu konstant. Alle unsere direkten Gegner hatten einen besseren Streicher nach fünf Wettfahrten und wir fanden uns auf dem 16. Gesamtrang wieder. So a Scha…, aber that’s segeln! Nach einem Geburtstagsständchen zum 60. von Armin Eismann und der üblichen spaßigen deutsch-österreichischen Geplänkel an der Bar, behandelten wir unseren Frust beim Vergleichen von mörbischer mit südsteirischen Weinen auf der „Terrasse“ unserer Kabanen. Devise für den letzten Tag war jedenfalls klar: Andi fährt zweimal vorne weg, wir auf die 2 und der sprichwörtliche „Kas“ ist gegessen.

Der dritte Wettkampftag startete wie der vorangegangene. Flaute und damit nicht an rechtzeitigen Start zu denken. Aber wie am Vortag setzte Wind im Osten ein. Also die gesamte Flotte über den See geschleppt und wieder Startschuss bei leichtem aber segelbarem Wind. Und unsere Programmierung auf Sieg und Platz trug deutlich Früchte. Einzig und allein Maggi hatte da was dagegen, aber dahinter AUT 190 vor AUT 129. Schöner Zieleinlauf aus österreichischer Sicht. Und für uns das Katapult in die Top Ten. In der letzten Wettfahrt dann vorne ein ähnliches Bild: Maggi vor Andi, 3. diesmal Christian Friedrich, der im letzten Lee-Gate und der Zielkreuz noch sieben Plätze holte. Damit hatte Maggi diesmal nicht (wie so oft) den Sieg vergeben, sondern den 2. Platz tapfer und souverän erkämpft. Christian wurde punktegleich 3. und für Andi blieb diesmal nur der undankbare 4. Platz gesamt.

Nach dem Zurückschleppen in den Hafen, war Kranen und Zusammenpacken angesagt. Auch das war vorbildlich organisiert. Die ersten Plätze am Haken waren für die Schweizer und Österreicher reserviert, danach die Süddeutschen und so weiter. Gastfreundschaft vom Feinsten.

Einziges Manko der gesamten Veranstaltung war die nachfolgende Siegerehrung. Vorbildlich wurden zwar alle Helfer und Organisatoren namentlich gewürdigt (keine Frage, ohne diese Leute wäre eine gelungene Veranstaltung nicht möglich). Aber dann nur mehr die ersten 6 der Gesamtwertung und die beiden 1. der Gruppen B und C aufzurufen und auch für diese nur jeweils einen Erinnerungspreis zu vergeben, war offen gesagt eher schwach. Das passte so gar nicht ins Bild, das wir bisher von der Organisation gewonnen haben.

Fazit: Großer Dank gilt auf jedem Fall Christoph Laska und seinem Team für eine sehr entspannte Wettfahrtleitung, die immer um Verbesserungen und Feedback der Segler bemüht war und das beste aus den drei Segeltagen herausholte. Auch die Jungs vom Kranteam leisteten Großartiges, verfügt der SC Stahl Finow doch nur über einen handbetriebenen Kran, was bei dieser ambitionierten Crew aber nicht weiter auffiel. Auch dem Platzwart der Kanuten möchte ich hier danken, der immer um unser Wohl bemüht war und dem wir eine Kiste polnisches Bier verdanken. Wir werden es uns beim Kreuzer Cup schmecken lassen!

Und um den Kreis zu schließen, möchte ich wieder zum Anfang kommen. „We are family“ trifft die internationale 20R-Gemeinde auf den Punkt. Die zwei, drei Mal, die wir uns im Jahr sehen, freue ich mich schon jedes Mal lange zuvor die ganzen deutschen und schweizer Teams wiederzusehen. Und ich kann wirklich sagen, hier im Laufe der Zeit ganz viele wunderbare (Segel)freundschaften geknüpft zu haben. Alle zusammen sind wir 20R-Segler einfach nur geil!!! 😉

Ergebnis der German Open 2013 unter: http://bit.ly/1dlM6Pi297 IMG_172 IMG_3236 (1024x683) IMG_3332

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Eine Antwort zu We are Family… die German Open 2013

  1. Gregor Widynski schreibt:

    Wir freuen uns auf das nächste Jahr. Geiler Bericht! LG Gregor und Bea

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